Indien verabreicht über eine Milliarde Covid-Impfdosen

Indien hat seit Beginn seines ehrgeizigen Impfprogramms im Januar mehr als 1 Milliarde Dosen des Impfstoffs Covid-19 verabreicht.

Nach Angaben der Regierung haben 708 Millionen Menschen, d. h. etwa 75 % der in Frage kommenden Bevölkerung, mindestens eine Dosis des Impfstoffs erhalten, und 30 % sind nun vollständig gegen die Krankheit geimpft. Derzeit dürfen sich nur Personen über 18 Jahren impfen lassen.

“Diese Errungenschaft gehört Indien, jedem Bürger Indiens”, sagte Premierminister Narendra Modi auf Twitter, so die Übersetzung seiner Worte in Hindi durch CNBC. “Ich danke allen Impfstoffherstellern des Landes, den Arbeitern, die Impfstoffe transportieren, und den Fachleuten des Gesundheitssektors, die an der Entwicklung von Impfstoffen beteiligt sind.”

Neu-Delhi will die gesamte erwachsene Bevölkerung Indiens bis Ende des Jahres vollständig impfen – aber einige, darunter der Oberste Gerichtshof von Delhi, haben Zweifel daran geäußert, ob das Land in der Lage ist, das Ziel innerhalb dieses Zeitrahmens zu erreichen.

Die Anzahl der täglich verabreichten Dosen war nicht einheitlich. So zeigten die Daten für den letzten Monat, dass Indien an manchen Tagen bis zu 10 Millionen Dosen verabreichte, an anderen Tagen aber nur 900.000 Spritzen.

Um fast 950 Millionen Menschen vollständig zu impfen, bräuchte Indien mehr als 1,8 Milliarden Impfstoffdosen. Im Juni setzte sich die Regierung das ehrgeizige Ziel, bis Dezember mehr als 2 Milliarden Impfstoffdosen zu produzieren.

Die indischen Impfstoffhersteller haben ihre Produktion in den letzten Monaten gesteigert.

Seit Beginn des Impfprogramms hat Indien mehrere Impfstoffe zugelassen. Dazu gehören der Impfstoff von AstraZeneca, der lokal als Covishield bekannt ist und vom Serum-Institut hergestellt wird, Covaxin von Bharat Biotech und Sputnik-V aus Russland.

Berichten zufolge hat das Land auch seinen ersten Impfstoff für Personen unter 18 Jahren zugelassen – eine Dreifach-Impfung, die vom indischen Arzneimittelhersteller Cadila Healthcare hergestellt wird.

Während die Impfung weiterhin freiwillig ist, gaben den Angaben zufolge am Donnerstag über 70 000 staatliche Einrichtungen die Impfungen kostenlos ab. In mehr als 2.000 privaten Zentren kann man sich auch gegen Bezahlung impfen lassen.

Indien wurde zwischen Februar und Anfang Mai von einer verheerenden zweiten Welle heimgesucht, in der die Zahl der täglichen Infektionsfälle und Todesfälle in alarmierendem Tempo anstieg. Die Krise brachte das indische Gesundheitssystem an den Rand des Abgrunds.

Das südasiatische Land rechnet zwar noch in diesem Jahr mit einer dritten Infektionswelle, doch sind sich viele Gesundheitsexperten einig, dass die Auswirkungen dieses Mal wahrscheinlich weniger schwerwiegend sein werden als bei den vorherigen Wellen.